Als mich das Feuilleton für meine Arbeit hier gemobbt hat- ein Kommentar zum Kommentar “Warum die Literaturkritik in der Krise steckt “

Als mich das Feuilleton für meine Arbeit hier gemobbt hat- ein Kommentar zum Kommentar “Warum die Literaturkritik in der Krise steckt “

Als mich das Feuilleton für meine Arbeit hier gemobbt hat- ein Kommentar zum Kommentar  “Warum die Literaturkritik in der Krise steckt “

– Buchblog vs. Feuilleton- ist denn schon wieder gestern?-

Dieser Beitrag bezieht sich auf den Kommentar “Warum die Literaturkritik in der Krise steckt “, der am 19.03.2024 auf Deutschlandfunk Kultur erschien. Er kann unabhängig davon gelesen werden.

Als Kind von Nicht- Akademikern wurde mir das Imposter- Syndrom quasi in die Wiege gelegt- das ständige Gefühl nicht gut genug zu sein, gebildet genug, on top.

Auch das Lesen war nicht immer eine Obsession von mir. Ich habe mich als Kind sehr schwer damit getan, und diese Welt hat sich erst in meinen Teenagerjahren für mich geöffnet.
Eine riesige Welt! Ich habe mich durch viele Genre und Arten der Veröffentlichungen gewühlt, bis ich meinen kleinen Teil dieser Welt gefunden habe.

Und das habe ich mir nicht leicht gemacht. Was habe ich mich durch langweilige Feuilleton- Bücher und Sachbücher gequält, nur um herauszufinden, dass Unterhaltungsliteratur mich mehr abholt. Und diese dabei kein bisschen ungebildet oder anspruchslos ist. Man denke an die epische ” Herr der Ringe “- Trilogie, die aus der Liste der Klassiker des 20. Jahrhunderts nicht mehr wegzudenken ist. Oder an die für Literaturkritiker triviale ” Harry Potter ” und “Twilight “- Reihen, die Milliarden von Kindern und Jugendlichen das Universum der Bücher und des Lesens eröffnet und unzähligen Autor*innen Inspiration geschenkt haben.
Ganz davon abgesehen, das so einige dystopische Werke meiner Lesechronik mich lange und nachhaltig über Politik, Gesellschaft und auch philosophisch haben nachdenken lassen und sich auch die trivialsten Liebesromane oft “hoch literarisch” mit dem allerwichtigsten befassen: Der Menschlichkeit.
Und somit Bestseller- Feuilleton- Bücher in nichts nachstehen, aber dennoch ihr Leben im Schatten der „echten“ Literatur verbringen.

Nur manchmal noch fühle ich mich nicht gut genug oder gebildet genug, wenn ich von meinem Lesegeschmack Berichte und auf gerümpfte Nasen treffe. Aber meist weiß ich es zum Glück besser.

Für mich war und ist es daher eine absolut natürliche (Weiter-) Entwicklung der ” klassischen ” Literatur:

Lesen macht Spaß. Und lesen bildet, egal in welchem Genre oder Medium.
Willkommen im Jahr 2024.
Literatur ist für alle, und ein Buch mit Mehrwert unterhaltsam, verständlich und zugänglich zu verfassen ist eine große Kunst.

Hoffnungsvoll blicke ich auf eine nicht allzu entfernende Zukunft, in der sich niemand mehr für das Genre, welches er liest, schämen muss.
Und uns die Literatur wirklich verbindet.

Dazu möchte ich mit meinem Buchblog beitragen. Dafür schreibe ich Rezensionen.
Diese verfasse ich (mal besser und auch mal schlechter) mit Mehrwert, unterhaltsam, verständlich und zugänglich. Und ja, auch subjektiv.

Denn das ist die natürliche Weiterentwicklung der Literaturkritik.

Die Zeiten, in denen das Medium Buch nur der gebildeten Oberschicht zugänglich war sind genauso vorbei wie die Zeiten, in denen Literatur nicht für alle verständlich war.
Und die Zeiten, in denen sich selbst ernannte Literaturkritiker auf zwei und noch mehr Seiten über ein Buch schwadronierend ausließen und es dabei mit dem aktuellen Weltgeschehen und dem amerikanischen Bürgerkrieg in Relation zu Fremdwortdichte setzten, haben wir im letzten Jahrhundert zurückgelassen.

Die Welt ist schnelllebiger geworden. Und auch Bücher kommen immer mehr und immer schneller auf den Markt. Und dazu sind wir es mittlerweile gewohnt, schnell an Informationen zu kommen. Und in der Lage, dieses selbst sinnvoll einzuordnen. Auch ohne Universitätsabschluss.

Die ursprüngliche ” Literaturkritik ” gibt es gar nicht mehr, dachte ich zumindest.
Denn auch die Google-Suche zu diesem Thema spuckt nur seitenweise Treffer zu ” Rezensionen ” aus.
Denn mit dem Siegeszug von Internet und ” Unterhaltungsliteratur ” gleichermaßen ist auch das Zeitalter der Rezensenten und Buchbloggenden angebrochen.
Hier findet Otto- und Olivia- Normalverbraucher und auch alle anderen schnell einen Überblick über anvisierte Bücher. Die wichtigsten Fragen werden anhand der für Literaturkritiker trivialen Rezensionen geklärt.
Nämlich: ” Worum geht’s? ” und ” Ist das Buch etwas für mich? “

Die Subjektivität dieser Rezensionen beantwortet diese Fragen auch zuverlässig, solange Aussagen und Wertungen nachvollziehbar begründet werden.
Denn auch aus einer negativen Rezension kann ich im besten Fall für mich selbst lesen, ob das Buch meinem persönlichen Lesegeschmack entspricht.

Und auch wenn es gewisse Literaturkritiker aus dem letzten Jahrhundert nicht wahrhaben wollen oder sehen können: Diese Welt ist längst da.

Und in dieser Welt beurteilen und verkaufen Buchbloggende mit Meinungen mehr Bücher und helfen mehr Menschen zur Lesentscheidung als eine klassische Literaturkritik des Feuilleton.

Wenn es auch oft nicht so aussieht: Es steckt viel Können, Wissen und Arbeit in einer Rezension, die als Hobby verfasst wird. Und diese, wenn auch subjektiv, leicht verständlich, unterhaltsam in der kürzesten Form so zu formulieren, dass sich im besten Fall jeder ein eigenes Bild eines Buches machen kann und für sich einordnen, ist Kunst.
In der idealen Welt würde man diese Form der Literaturleidenschaft auch wertschätzen.

Und diese Entwicklung ist noch nicht abgeschlossen. Verfasste Rezensionen auf Weblogs sind nur noch ein kleiner Teil der Literaturkritik.

Sie sind bedroht, von Sekunden- Videos und Buch- Eindrücken auf tiktok und Instagram (vielleicht sogar komplett) verdrängt zu werden.

Und die sind dann schon mal wirklich trivial, das stimmt.
Da gibt es Videos in denen Bücher in der Mülltonne landen oder im wahrsten Sinne des Wortes ” zerrissen ” werden.
Aber auch Videos und Clips nach denen Autor*innen Milliarden- Deals von Verlagen geboten wurden.

Vor allem aber schaffen sie das allergrößte:
Aufmerksamkeit und Sichtbarkeit. Für Bücher. Für Autor*innen. Und auch für Leser*innen, Buchblogger*innen, Künstler*innen und manchmal, aber nur manchmal, sogar für ein Buch, das auch die Literaturkritikerin Sigrid Löffler lesen würde um eine Literaturkritik zu verfassen, die niemanden interessiert.

Gemeiner wird’s von meiner Seite nicht. Auch wenn ich mich nach dem Lesen dieses Kommentares wirklich in meinen Grundfesten erschüttert und gekränkt fühle (und ja, die erste Fassung dieses Beitrag sah da noch ganz anders aus), gemobbt, nicht gut genug, nicht gebildet genug oder hier an dieser Stelle mit den Worten Sigrid Löfflers:

„Auch an anderer Stelle hat die professionelle Literaturkritik Autorität eingebüßt und unerwünschte Konkurrenz bekommen – in Form des allgegenwärtigen elektronischen Geschnatters. Im Internet dominieren zumeist Amateure – Blogger, Influencer, selbstermächtigte Hobby-Kritiker –, die die Welt mit ihren subjektiven Geschmacksurteilen über Bücher behelligen.“

Zuerst einmal, liebe hochgeehrte Frau Löffler, gibt es doch auch in diesem vernichtenden Kommentar Dinge, bei denen ich ihnen zustimmen kann. Gemein sind sie trotzdem formuliert.
Die Punkte, in denen ich ihnen nicht zustimmen kann, sind für mich persönlich verletzend.
Zuerst wollte ich mich rechtfertigen, dann war ich sauer, dann hätte ich ihnen eigentlich gerne die Meinung gegeigt.
Das werde ich aber nicht tun. Meine Arbeit spricht hoffentlich für sich. Auch dem Bedürfnis, den Kommentar auszudrucken und zu verbrennen und diese in einem Sekunden- Video auf tiktok zu veröffentlichen, werde ich nicht nachgeben.

Nein, ich werde da ganz einfach drüberstehen. Und das Thema “Feuilleton vs. Buchblog” wird hier auch nicht noch einmal aufgerollt.
Ich bin ja schließlich nicht von gestern.

Daher, liebe hochgeehrte Frau Literaturkritikerin, möchte ich Ihnen stattdessen etwas wünschen.
Ihnen und jedem begeisterten Lesenden da draußen, egal welches Genre, egal mit welchem Bildungsgrad:

Die Freude an der Literatur.

Egal in welchem Genre, den Spaß am Lesen und den Mut, die eigenen Gedanken zu Büchern in Worte zu fassen, zu schreiben oder zu zeigen.
Auch auf die Gefahr hin, als Amateur und selbst ernannter Hobbykritiker beleidigt und gemobbt zu werden.
Und selbst dann die Freude an der Literatur niemals und unter keinen Umständen zu verlieren.

Das Gefühl, vollwertiges Mitglied von etwas zu sein. Kunstschaffenden, Rezensenten oder Literaturliebhabern zum Beispiel.

Aber ihnen, sehr geehrte Frau Sigrid Löffler, wünsche ich noch etwas ganz Besonderes:

Dass sie sich einmal lang und ausgiebig mit einer jungen Buchbloggerin unterhalten. Dass sie die Liebe und Leidenschaft und das Herzblut, welches in einem Buchblog und/ oder buchigen Social Media- Account steckt quasi spüren können.
Dass sie erkennen, das auch in der kürzesten Rezension eines für Sie profanen Buches unglaublich viel Können, Wissen, Leidenschaft und Arbeit stecken kann.

Und sie feststellen werden, dass sie das Wichtigste eigentlich eint: Den unbändigen Drang, ihren Leseeindruck in Worte zu fassen und die Freude an der Literatur.

Das wünsche ich Ihnen von ganzem Herzen.

Und mir wünsche ich, nie wieder einen so abwertenden Kommentar über mein selbsternanntes amateurhaftes Hobby lesen zu müssen.

Nachtrag:

Ursprünglich wäre aus diesem Beitrag fast ein Buchblog vs. Feuilleton Beitrag geworden. Nach meinen Recherchen hätte die Welt diesen aber wirklich nicht gebraucht, denn es gibt unendlich viele davon. Bei meinen Beiträgen achte ich auf Mehrwert, und bei diesem Thema gibt es keinen Winkel, der noch nicht beleuchtet wurde. Daher wurde mein Beitrag eine Liebeserklärung an die Literatur.

Denn allercoolsten Beitrag meiner Recherchen möchte ich euch aber nicht vorenthalten. Denn richtig coole Buchbloggende nicken mit dem Kopf 😂❤
Den Beitrag solltest du lesen 😊

2 Gedanken zu „Als mich das Feuilleton für meine Arbeit hier gemobbt hat- ein Kommentar zum Kommentar “Warum die Literaturkritik in der Krise steckt “

  1. Hey, danke für die Verlinkung. Schöner Artikel!
    Ich schreibe ja nun schon seit fast fünf Jahren nicht mehr, was überwiegend meinem Beruf zuzuschreiben ist – wenig bis keine Zeit, irgendwann auch fehlende Kraft.

    Es ehrt mich sehr, dass ein rund acht Jahre alter Beitrag von mir noch Aufmerksamkeit findet. Cool.

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