Die AfD der Buchbranche: KI- generierte Inhalte und Farbschnitte

Die AfD der Buchbranche: KI- generierte Inhalte und Farbschnitte

Die AfD der Buchbranche: KI- generierte Inhalte und Farbschnitte

Zugegeben: So habe ich mir die Zukunft mit künstlicher Intelligenz nicht vorgestellt.

Denn fälschlicherweise war ich überzeugt davon, dass uns diese Technologien und Programme die Arbeit abnehmen werden und helfen. Die Schwerst- und Lastarbeit, die keiner mehr machen möchte in der Produktion und Landwirtschaft sowie die Berechnungen, zu denen kaum ein oder kein Mensch in der Lage ist, wohlgemerkt.

Und auch in den Science- Fiktion- Filmen, in denen KI und Maschinen irgendwann die Weltherrschaft übernehmen, konnte sich niemand bisher so kreativ vorstellen, was uns jetzt gerade wirklich passiert:

Dass die KI droht, Künstler*innen und Autor*innen zu ersetzen.

Ernsthaft, seit je her erschien uns die Übernahme der Weltherrschaft und den damit verbundenen Kontrollverlust an intelligente Maschinen realistischer, als dass diese zuallererst die Berufe, Leidenschaften und Talente zerstören, die unsere Menschlichkeit wirklich widerspiegeln und erhalten. Und uns darüber hinaus nicht die unangenehme und schwere Arbeit abnehmen, sondern ganze gern gelebte Existenzen obsolet machen könnten.

Und während KI in allen anderen Branchen tatsächlich hilfreich ist und das Leben leichter macht, erhitzt sie in der Buch- Branche seit letztem Jahr (zu Recht) die Gemüter.

Erst im März dieses Jahres hat das EU- Parlament einer EU-KI- Verordnung zugestimmt die, Achtung, erst im Jahre 2026 unmittelbare Rechtssicherung entfalten wird.

Dennoch ist damit die allgemeine Kennzeichnungspflicht bei uns angekommen. Niemand möchte erleben, wie von ihm oder ihr erstellte Inhalte mithilfe von KI aufgedeckt werden und somit als Betrüger seinen Ruf ruiniert haben.

Schon gar nicht, wenn man von seiner künstlerischen Tätigkeit sein Brot bezahlen muss.

Also kennzeichnet man die KI-Mithilfe und gut ist?

Offensichtlich nicht bei uns. Die Mithilfe von KI wird nämlich auch dann nicht gerne gesehen, wenn man diese offen kommuniziert.

Ein Fakt, den der Onlineshop Bücherbüchse mit aller Härte zu spüren bekommen hat.

Zwei Bücher, nämlich „ein Schloss aus Silber und Scherben“ von Arianne L. Silbers und “Once Upon a Broken Heart” von Stephanie Garber, deren Farbschnitte offen und transparent für alle mit Hilfe von KI erstellt wurden, erhitzten so dermaßen die Gemüter, dass ersteres einen neuen Farbschnitt bekam, obwohl das Buch schon auf dem Markt war. Beim zweiten ließ sich der Fehler noch vor Release mit demütiger und reuevoller Entschuldigung rückgängig machen, wofür der Shop dann viel Zustimmung und Applaus erntete.
Aber offensichtlich war sogar die Autorin selbst angepisst gewesen.

Gut, die Alternative war aber auch Shit Storm forever und Boykott von wirklich vielen namhaften und reichweitenstarken Buchmenschen und all ihren Followern.

Mittlerweile findet sich deshalb auch bei beiden Büchern auf der Webseite der Zusatz, dass der „Farbschnitt NICHT mit KI“ erstellt wurde.

Nur für den Fall, dass jemand über News von gestern stolpert oder so.

Die Empörung war bei den sozialen Medien übrigens so riesig und dominierend, sie hätte den Nachrichten über AfD und sogar über Partys auf Sylt Konkurrenz gemacht, wäre sie nicht so uninteressant Branchenspezifisch.

Dabei finde ich es trotz allem verwunderlich, dass außerhalb unserer Blase absolut nichts darüber zu lesen war und ich bei meiner Internet- Recherche auch nichts darüber gefunden habe.

Mag vielleicht Schnee von gestern sein, aber das packt sicher irgendwann jemand wieder aus.

Das Thema wird jetzt nämlich erst relevant. Und früher oder später greifen die großen Medien das auch auf.

Denn da war erst kürzlich wieder was: Der Skoutz- Award 2024 wurde wegen diesem Thema direkt abgesagt.

Auch mein saucooler Buchblog gehörte zu den nominierten. Da war ich mal kurz superglücklich und stolz, bis die Gemüter wieder hochkochten, weil es auch Bücher auf die Longlist geschafft haben, die Mithilfe (oder sogar gänzlich?) von KI erstellt wurden.

Nun kann das Skoutz- Magazin nur leider keine demütige und Reuevolle Entschuldigung veröffentlichen und einfach einen neuen Farbschnitt in Auftrag geben.

Denn auf die öffentlich befüllbare Vorschlagsliste (Longlist), die das Ergebnis der Einreichungen über das Anmeldeformular war, nimmt die Jury keinen Einfluss. Die Auswahl hätte erst im Anschluss stattgefunden.

Und mit gesundem Menschenverstand wäre keins dieser Bücher auf der Midlist gelandet. Und falls doch, dann wären diese mit gesundem Menschenverstand ja wohl offensichtlich nicht vom Publikum gewählt worden.

Für diesen gesellschaftlichen Selbstmord könnte man sich nämlich auch einfach öffentlich zur AfD bekennen.

Die Beweggründe für das Aussetzen schildert das Skoutz- Magazin hier ausführlich und nachvollziehbar.

Das könnte uns zu weitreichenden und offensichtlich notwendigen Debatten führen. Denn KI- generierte Inhalte werden gerade uns in Zukunft noch sehr oft begegnen und beschäftigen. Und in den meisten Fällen sind sie nicht mehr als eine Unterstützung für Künstler*innen und Autor*innen.

Die Angst, KI könnte Menschen, die ohne ihre Hilfe etwas erschaffen die Arbeit streitig machen, halte ich persönlich für unbegründet.

Das mit dem Urheberecht, mit dem es die KI nicht so genau nimmt und sich frei bedient sehe ich da schon kritischer.

Hier sollten die Programmierer auch Änderungen vornehmen, denn das ist definitiv ein großes Manko.
Falls nicht müsste unseren Gesetze- Machern schon Besseres einfallen, als eine Kennzeichnungspflicht ab 2026.

Aber einfach nur sofort „Dagegen“ und „wie könnt ihr nur“ zu schreien, bringt uns definitiv nicht in die Zukunft.

Eine offene, differenzierte und zukunftsorientierte Diskussion scheint hier aber schon beendet, bevor sie beginnen konnte.

Hauptargumente: Emotion und Opportunismus.

Da wünscht man sich ja schon fast die Zeiten zurück, in denen Dinge, die einem nicht gefielen, ignoriert wurden.
Kann man sich ja nicht vorstellen: Eine Welt, in der sich nicht jeder öffentlich gegen die AfD und KI- generierte Inhalte stellen muss, sondern einfach nur sein Leben lebt.

Klar ist nach all den erhitzen Gemütern in der Buchbranche:

Man will die KI nicht in der Branche. Gar nicht, nicht einmal als Hilfsmittel.

Wer jetzt noch einmal bei Farbschnitten oder Bücher- Inhalt, Planung, Bildbearbeitung oder auch nur Rechtschreibkorrektur damit kommt wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit bereuen. Da hilft auch keine Kennzeichnung.

Und da bleibt uns wohl mal wieder nichts anderes übrig, als das in anderen Branchen und Zweigen zu beobachten.

Und dann nochmal von vorne zu beginnen, wenn allen anderen längst der Umgang mit dem Thema gelungen ist.

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