Unerwartet hoher Ansturm und komplett überfordert- Mein Messebericht zur 1. Stuttgarter Buchmesse

Unerwartet hoher Ansturm und komplett überfordert- Mein Messebericht zur 1. Stuttgarter Buchmesse

Unerwartet hoher Ansturm und komplett überfordert- Mein Messebericht zur 1. Stuttgarter Buchmesse

Die 1. Stuttgarter Buchmesse am 09.03.2024

Derzeit reden alle nur von Leipzig- außer mir.

Leipzig ist dieses Jahr leider einfach nicht machbar. Denn dafür müsste ich für die einfache Fahrt 5- 7 Stunden im Zug verbringen. Zu lange für einen Tageausflug, und ein Hotel ist bei den Preisen gerade nicht drin.

Umso erfreulicher, dass dieses Jahr zum ersten Mal die Stuttgarter Buchmesse stattfand. Und sich so für mich die Gelegenheit ergeben hat, doch noch im Frühjahr eine Buchmesse zu besuchen.

Und wie schön ich mir das vorgestellt habe:

Laut Webseite sollten vor allem Selfpublisher und kleine Verlage vertreten sein.

Ich habe mich gemütlich dort schlendern sehen, neue Bücher entdeckend mit vielen tollen Gesprächen.

Dazu habe ich mir diese Flyer drucken lassen:

Denn wenn ich letztes Jahr eines in Leipzig und Frankfurt gelernt habe, dann dass es unglaublich einfach ist (sogar für mich) auf Buchmessen ins Gespräch zu kommen und dass ich ungern meinen Blognamen buchstabiere.

Hier habe ich mir das „ins Gespräch kommen“ noch viel einfacher vorgestellt, da viel kleiner.

Doch noch nie hat die Vorstellung von einem Event soweit mit der Realität auseinandergeklafft.

Und so lief es dann wirklich ab:

Tatsächlich konnte ich den (Um-) Weg über Karlsruhe sparen und ein paar Dörfer weiter direkt in den Zug nach Stuttgart steigen. 45 min später war ich auch schon beim Hauptbahnhof, dankbar aus dem vollen Zug raus zu sein. War aber auch wirklich gutes Wetter. Am Hauptbahnhof musste ich noch in die U- Bahn steigen, denn ich musste zur Schwabenlandhalle in Fellbach.

Aus dem Zug musste ich dann nur noch den Leuten folgen und landete am Ende einer Schlange. Da diese sich aber minutenlang nicht bewegte, wurden die Leute vor und hinter mir schnell unruhig und jemand lief vor, um nachzuschauen.

Der erste Schock: Die Schlange ist lang, sehr lang, und die Halle so voll, dass nur einzeln Personen in größerem Abstand eingelassen wurden.

Das habe ich mir dann tatsächlich 1 Stunde und 15 Minuten lang schöngeredet. Denn wenn immer nur wenige eingelassen werden, dann wird es drinnen wenigstens nicht so voll sein und so gemütlich wie in meiner Vorstellung.

Spoiler: Ich habe 4x so lange in dieser Schlange gestanden als ich in der Halle war, es war der Horror und ich bin schnell wieder geflüchtet.

Apropos Horror:

Das Anstehen war nicht so schlimm. Ja das ging ewig, aber ich dachte ja die ganze Zeit, dass es sich gelohnt haben wird.

Der absolute Horror war für mich, als plötzlich die Autor*innen begannen, bei den Wartenden Flyer zu verteilen, sie anzusprechen und sogar dort ihre Bücher zu verkaufen.

Dafür bin ich zu autistisch veranlagt und war komplett überfordert mit dieser Situation.

Deswegen gehe ich doch zur Buchmesse. Da sitzen die Autor*innen schön hinter ihren Tischen. Sprechen mich ihre Bücher bzw. in diesem Fall das Genre nicht an, dann gibt es ein nettes Lächeln und ich gehe weiter.

Ich weiß, wie viel Mut es erfordert, auf andere Menschen zuzugehen. Und ich weiß wie viel Arbeit und Herz in Büchern stecken. Da möchte man ja nicht auf Ablehnung stoßen.

Hier wusste ich nicht, was ich tun soll. Das Warten hat mich bereits alle Energie gekostet, da möchte ich nicht auch noch angesprochen werden von Krimi- Autoren, denen ich dann sagen muss, dass mich ihr Buch nicht interessiert, überspitzt gesagt. Weil mir das Leid tut, weil ich mir gerne alle Bücher der Welt kaufen würde, und euch unterstützen liebe Autor*innen, und weil ich ganz schlecht eine Abfuhr erteilen kann.

Und das eben auch nicht wollte! In dieser Situation hätte ich gar nicht sein müssen!

Als ich endlich in der Halle war, war ich bereits komplett überstimuliert. Es war nämlich nicht ganz so schlimm, unfreiwillig angewimmelt zu werden, viele waren mit einem Kopfschütteln ok und sind weitergezogen. Ich musste niemandem wirklich verbal sagen, dass mich sein Buch nicht interessiert.

Aber zeitweise wurde den Damen vor mir ein Vortrag über „Lustige Erotik“- Geschichten gehalten, und ich habe gemerkt, wie unwohl ihnen war und dass sie sich einfach nicht getraut haben, das Gespräch zu beenden, wodurch die Autorin den kompletten Inhalt aller ihrer Bücher wiedergegeben hat.

Während der Mutter mit den zwei kleinen Kindern hinter mir gerade ein interaktives Kinderbuch vorgestellt wurde.

Ich war kurz vorm Schreien und ich bin aus dieser Situation, in der ich nicht sein wollte und in die ich mich niemals freiwillig gebracht hätte, nicht rausgekommen.

Denn dann wäre der ganze Ausflug und die bis dahin bereits lange Warterei komplett umsonst gewesen.

Aber in Zukunft gehe ich nie wieder ohne Kopfhörer aus dem Haus. Hätte man ja nicht ahnen können.

Ich habe die Welt nicht mehr verstanden und wollte endlich in der Halle in aller Ruhe stöbern.

Endlich eingelassen, der nächste Schock: Die an die 50 Austeller waren in einer winzigen Halle.
Also, die Sporthalle des 7000 Einwohner Dorfes, indem ich groß geworden bin, war größer als diese Halle. Also eine davon. Wir hatten drei Sporthallen nebeneinander, jede davon etwa 4x so groß.

 Vier Reihen, voller Besucher.

Aber es half ja nichts, jetzt war ich endlich da, da wollte ich auch noch Bücher shoppen.

Zwei Reihen habe ich geschafft, bevor ich aufgegeben habe. Flyer habe ich bei den 3 Ständen hinterlassen, bei denen ich gekauft habe. Mehr als einen Satz gesprochen habe ich nur mit der Autorin Izzy Maxen, auf die ich mich im Vorfeld sehr gefreut habe.

Und was standen die Leute eigentlich alle da rum? Also ernsthaft, teilweise standen 20 Leute vor einem winzigen Tisch, aber keiner hatte ein Buch in der Hand oder wollte etwas kaufen. Die standen da nur, ganz sicher.
Denn mit drücken und quetschen konnte ich mir die Bücher dann auch anschauen, ohne dass jemand geschrien hätte, ey, ich war zuerst da.
Und als ich mir einen leichteren Weg gebahnt hatte, standen die da alle immer noch.

Fanclubs? NPCs?

20 Minuten später war ich mit den Kopfschmerzen des Todes wieder vor der Tür, wurde von den immer noch Wartenden böse angeschaut und war insgesamt zwei Stunden früher als geplant wieder zuhause.

Es tut mir übrigens leid, dass ich keine der 22 Lesungen besucht habe. Ich konnte einfach nicht mehr. Ich habe ja noch nicht einmal alle Stände gesehen….

Was ich noch sagen wollte:

Ich habe jede Menge Kritik und Verbesserungsvorschläge.

Aber auch jede Menge Verständnis. 

Die Buchmesse fand dieses Jahr zum ersten Mal statt, und mit diesem Ansturm haben die Veranstalter nicht gerechnet.
(Das wird schon deutlich, wenn man die „davor“ Artikel dazu liest. Hier wird von ausreichend Parkmöglichkeiten gesprochen. Die Dame hinter mir in der Schlange hat allerdings keinen Parkplatz bei der Halle bekommen und stand ziemlich weit weg.)

So weit, so gut. Das machen wir nächstes Jahr aber bitte besser, ja?

Und kein anquatschen mehr in der Warteschlange. Das gilt für alle, allezeit, überall und immer. Einfach nein.

Und ich meine Nein. Die Idee war schon beim Aussprechen nicht gut. Zwar verständlich, als ich dann gesehen habe, dass man an die Tische gar nicht ran kam. Aber eben trotzdem nicht in Ordnung.

Meine Ausbeute:

Wer weiß wie viele Bücher ich wohl gekauft hätte, wenn ich wirklich gemütlich und in Ruhe hätte stöbern können? Jedenfalls war für meinen Buchgeschmack unglaublich viel dabei, und es ist schade, dass ich nicht alles sehen konnte.

Hier ist sie nun, meine (bescheidene) Ausbeute:

  • Purified von Izzy Maxen
  • Energie erwacht von Stefanie Fox
    (hier habe ich noch Goodies extra bekommen❤)
  • Versprochen zu dienen von Lilly Schwarz
  • Good Boy von Eliot Graham

2 Gedanken zu „Unerwartet hoher Ansturm und komplett überfordert- Mein Messebericht zur 1. Stuttgarter Buchmesse

  1. Toller Beitrag, echt interessant, das aus Besucher Sicht zu sehen.
    Ich finde man hat dir den Stress sichtlich angemerkt als du bei mir am Stand warst und du bist mir wirklich als eine der Besucherinnen im Kopf geblieben.
    Das mit dem rausgehen und die Leute in der Schlange ansprechen war eine Idee von den Veranstaltern um den Wartenden die Zeit zu “versüßen” ich denke manchen hat das sicher gefallen für mich wäre es auch die Hölle gewesen. Als Autorin wie auch als Besucherin. Hab mich gefreut, dass du dennoch bei mir warst und ich hoffe dir gefällt meine Story.
    Liebe Grüße, Lilly Schwarz

    Lilly Schwarz

    1. Ich freue mich sehr über deine Rückmeldung und über den hohen Besuch auf meiner Seite❤
      Hoffentlich habe ich einen nicht ganz so schlimmen Eindruck hinterlassen. Dann wiederum war ich wirklich auch gestresst und habe mein Bestes gegeben️ 🤷‍♀️
      Viele liebe Grüße zurück❤

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