Wenn das Lesen keinen Spaß mehr macht- Sind wir Buchbloggende zu informiert?

Wenn das Lesen keinen Spaß mehr macht- Sind wir Buchbloggende zu informiert?

Wenn das Lesen keinen Spaß mehr macht- Sind wir Buchbloggende zu informiert?

Am Anfang war das Lesen…

Es waren wundervolle Zeiten: Die Welt der Bücher hat sich für mich erst in meiner Teenagerzeit geöffnet, dafür aber richtig und nachhaltig. Mit guten Jugendbüchern und Twilight. Natürlich kann mein heutiges Ich da nicht mehr mithalten- stundenlang konnte ich mich in Bücher versenken und die Welt vergessen.
Die meisten ließ ich mir schenken, sparte mein Taschengeld und war stolze Besitzerin zweier Bibliotheksausweise.
Ich las viel und querbeet- alles, was meine Neugier wecken konnte, wurde verschlungen, außer Büchern gehörten auch Zeitschriften dazu.
Kaum verdiente ich mein eigenes Geld gesellten sich stundenlanges stöbern auf Flohmarkten und in Bücherläden, denn das zurückbringen zur Bibliothek war oftmals viel zu schmerzhaft.
Peinlicherweise war damals fast alles, was ich gerne las, in der Kinder- und Jugendbuchabteilung einsortiert (Young und New Adult gab es damals noch nicht, Fantasy und Dystopien mit jüngeren Protagonisten gab es ebenso nur dort).
Aber bis auf ein paar komische Blicke ließ sich das prima ignorieren- niemals hätte ich mich von so trivialen Dingen wie Genre, Trope, Zuordnungen oder Erscheinungsdatum beeinflussen lassen.
Wozu auch? Das Lesen war ein einsames Hobby, es gab in meinem Umfeld niemanden der es mit mir teilte oder etwas darüber wissen wollte. Ich musste mich nicht schämen und niemandem Rechenschaft ablegen.
Ich war so frei zu lesen, was immer ich wollte.

…und dann kam das Bloggen…

Wie das aber so ist- man entwickelt sich weiter.
In mir entwickelte sich irgendwann der Wunsch, mich mit anderen darüber austauschen zu können und mein Bücherregal nicht mehr alleine zu bewundern.
Ausschlaggebend war auch diese eine saucoole Buchbloggerin, die leider heute nicht mehr bloggt. Ich hatte keine Ahnung davon, wie viele Buchbloggende es da draußen wirklich gibt.
Mein Computer war damals für Bewerbungen, die Sozialen Medien dafür, mit Leuten in Kontakt zu bleiben.

So habe ich mich in eine blinkende Welt gestürzt, die mich erst einmal komplett in Beschlag genommen hat. 

Denn in der Welt der Buchbloggenden interessierte sich auch niemand dafür, was ich las und wie es mir gefiel. Darauf war ich nicht vorbereitet.
Dass man noch mehr und mehr von mir wollen wird.
Von überall bekam ich nur den super hilfreichen Tipp zu supporten, und das habe ich dann auch gemacht.
Gebracht es mir nichts. Schließlich macht sich jeder Buchbloggende die viele Arbeit, damit er supportet, gesehen und gefeiert wird. Nicht um mich zu supporten und zu feiern.

So weit so klar. Leider war ich bereits komplett unter Beeinflussung. So viele Bücher, die man unbedingt gelesen haben MUSS. Die gerade erscheinen. Und nur Bloggende, die da mitschwimmen, werden überhaupt wahrgenommen.

Plötzlich war mein SuB unendlich, gelesen habe ich trotzdem nur das Neuste. Schließlich macht einem in der Buchbubble ja auch gerade jeder heiß darauf, und was macht man auch sonst, wenn man gerne mitreden möchte?

Und dann ist man ja schließlich selbst jemand, der Empfehlungen ausspricht. Wie soll man denn bitte bloggen, wenn man nicht über alles und jeden Bescheid weiß? Man ist schließlich Experte.

Und wie soll man sich gegen tausende und abertausende Buchbloggende behaupten, wenn man gerade mal Follower im dreistelligen Bereich hat und zehn Jahre alte Bücher aus Bücherschränken oder dem SuB befreit, für die sich nun wirklich niemand mehr interessiert?

…und dann war der Spaß zu Ende.

Den Spaß am Bloggen, den habe ich mittlerweile. Es ist wenig Austausch, dafür unglaublich großartigen. So viele haben meine letzten Beiträge hier kommentiert, und ich freue mich nach wie vor über jeden einzelnen.

Bookstagram dagegen, wo jeder nur hier und ich schreit und mit seinen Follows bei anderen knausert, kann da nicht mithalten.

Aber ich bin nach wie vor auch gerne dort, denn so verpasst man garantiert nichts in der Buchwelt.

Und das ist zeitweise ein großes Problem. Der Informationsüberfluss und die gemachten Hype- Bücher.
Und der ständige Druck, zu liefern.

Vorbei sind die Zeiten des Buchladengestöbers und Entdeckens. Niemals hätte ich gedacht, in einem Buchladen zu stehen und absolut nichts zu finden, weil einfach jedes potenzielle Buch bereits auf meinem SuB lagert.
Um dann daheim vor meinem SuB zu stehen und auf nichts mehr Lust zu haben, weil irgendwie alles nur ein Abklatsch vom anderen ist und weil viele schlechte Erfahrungen mich mittlerweile so weit gebracht haben, dass ich jedem „Hype- Buch“ erstmal misstraue.

Mittlerweile fühle ich mich ganz schön satt. Dieses Jahr habe ich nur wenig gelesen und mein selbstgesetztes Leseziel werde ich nicht mehr erreichen. Dazu habe ich auch viel weniger Bücher gekauft, da mich kaum etwas wirklich anspricht und ich mittlerweile sicher bin, ich habe genug tolle Bücher auf meinem SuB. Mein Geldbeutel freut sich, aber als Buchbloggerin kommen einem da natürlich Zweifel.

Und jetzt?

Das Thema ist zugegebenermaßen sehr umfangreich und bietet Stoff für viele weitere Beiträge.
Allerdings besteht die Thematik für mich auch aus vielen Faktoren. Um die Frage zu beantworten, was das informiert sein für mein Bloggerleben und mein Leseverhalten bedeutet, muss ich mich zuerst fragen, was ich möchte.

Welche Art von Buchblogger möchte ich sein? Wo liegen meine Prioritäten? Diese haben sich seit ich blogge nämlich ordentlich verschoben.

So viele Fragen laufen hier zusammen: Wie erhalte ich mir den Spaß am Bloggen? Wie den am Lesen? Brauche ich dieses Buch wirklich? Warum beeinflusst mich der Hype und Farbschnitt? Und was bringt es mir?

Die letzte Frage ist mal wieder die kontroverseste hier. Aber die Frage, ob ich aus Spaß oder mit Spaß blogge, habe ich ja schon in einem anderen Beitrag geklärt.

Denn wie ich es auch drehe und wende: Es macht für mich persönlich keinen Sinn, dass neuste Hype- Buch zu entdecken, kaufen, rezensieren, fotografieren und Stunden damit zuzubringen, damit es am Ende niemanden interessiert und darüber den Spaß am Lesen und Bloggen zu verlieren.

Und was habe ich mich hier anfangs unnötig verrenkt.

Deshalb ich habe ich zuerst einmal alle Verlagsvorschauen und Newsletter (Lieblingsautor*innen ausgenommen) abbestellt.
Diese hatte ich ohnehin nur für den unwahrscheinlichen Fall, dass ich mich doch noch irgendwann einmal rechtzeitig für ein Rezensionsexemplar bewerben möchte und für den Schein. Damit meine ich, dass es sich schon auch richtig und gut angefühlt hat als Bloggerin so informiert zu sein, aber der Nachteil ist eben auch, im Buchhandel und sogar online nichts Neues mehr zu entdecken und sich furchtbar übersättigt zu fühlen. Darüber hinaus gibt es hier auch ohnehin nur das, was sich gut verkauft, überall zu finden ist, und macht mich dann eigentlich doch nicht zur informierten Bloggerin, sondern beeinflussten Konsumentin.

Spätestens als mir das bewusst wurde, habe ich gemerkt wie das hier in die falsche Richtung läuft.

Neuerscheinungslisten- Beiträge gab und gibt es bei mir ohnehin nicht. Hier gibt es bereits viele Buchbloggende, die sich hier spezialisiert haben und dafür aber auch von den Verlagen in verschiedenen Formen wertgeschätzt werden.

Als nächstes bin ich dieses Jahr bereits vielen großen Bookstagram- Accounts entfolgt und vielen kleinen gefolgt.

Das war eine großartige Idee, denn mittlerweile besteht meine for you-Seite nicht mehr aus den immer gleichen Büchern aus den immer gleichen Verlagen, die immer überzogen gehyped werden.

Denen bin ich aber ohnehin nicht gefolgt, weil ich Leseempfehlungen oder diese permanente Beeinflussung gebraucht hätte, sondern weil ich so gerne wie sie sein wollte.
Aber auch ähnliche Inhalte mit Hypebüchern, die aus meiner Sicht den Stempel „Hype“ verdient haben, haben mich bisher, auch mit noch mehr und noch mehr Arbeit, keinen Millimeter in diese Richtung gebracht.

Es hat mich wirklich auch letzten Endes gestört, wie unauthentisch manche mittlerweile sind. Wie bunte Werbereklame, und alle jubeln darüber (das gilt nicht für alle Bookstagrammer mit tausenden Followern, aber doch viele). Dazu bekam ich von den meisten nie Antworten, egal ob es um Fragen oder Reaktionen meinerseits ging. Ganz krass finde ich bis heute, dass ich einer sehr bekannten Dame damals Bilder von ihr und uns auf der Leipziger Buchmesse geschickt habe und nicht einmal ein Danke bekam.

Und wenn ich Bookstagram heute öffne, dann sehe ich Bücher, die ich sonst nie entdeckt hätte von Leuten, die sich wirklich über Kommentare freuen und die wirklich antworten.

Vielleicht schaffe ich es irgendwann auch noch diese nörgelnde Stimme in meinem Kopf auszuschalten, die mir ständig mitteilt, dass ich dies oder jenes zu tun habe, um eine „richtige Buchbloggerin“ zu sein.

Und hoffentlich werde ich in ein paar Wochen wieder viel unbeschwerter in Bücherläden und Flohmärkten shoppen.

Blogger- Burnout

Dieser Beitrag enthält viele Themen, die ich in Symbiose miteinander verstehe. Dieselben Faktoren, also Selbstzweifel, Übersättigung, hohe Erwartungen, ständige Verfügbarkeit und Informationen, wenig Resonanz, die immer gleichen Bilder und Bücher, Druck und ein Blick hinter den Schein der schönen Buchbloggerwelt können übrigens auch zum Blogger- Burnout führen.

Wenn ich darüber hier etwas mehr berichten und meine Tipps und Tricks weitergeben soll, lass es mich gerne in den Kommentaren wissen.

Und jetzt du!

Wie hat sich dein Lese- bzw. Kaufverhalten geändert, seit du bloggst und wie gehst du mittlerweile damit um?

Sind wir Buchbloggende zu gut informiert? Fühlst du dich auch manchmal einfach nur übersättigt?

2 Gedanken zu „Wenn das Lesen keinen Spaß mehr macht- Sind wir Buchbloggende zu informiert?

  1. Hi, ich verstehe dich so gut! Ich hatte vor einiger Zeit überhaupt keine Lust zu lesen, umd ich glaube, dass einer der Gründe eine Übersättigung war. Da eine tolle Rezi auf Insta – oh, dort auch und aaah eine meiner Lieblingsautorinnen *hust* *Blick zu wortlicht. blog* hat ein tollen neues Buch veröffentlicht, auf das ich mich schon so gefreut habe! Aber das wirkliche Lesen hat mir dann weniger Spaß gemacht.

    Ich habe dann beschlossen, den Druck raus zu nehmen, denn nur weil ich Buchbloggerin bin, muss ich nicht 10 Bücher im Monat lesen.

    Denn Lesen soll doch Spaß machen!

    LG
    Sophie

    1. Hallo Sophie,
      danke für deine Rückmeldung❤
      Du hast Recht, Lesen sollte Spaß machen. Sind es halt weniger und unbekanntere Bücher 😊
      Wie bist du aus deiner Leseflaute wieder rausgekommen?
      Liebe Grüße zurück❤

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